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Die großen Bühnen in der Wandelhalle in Bad Nenndorf, im Kulturzentrum Pavillon in Hannover und im Neuen Forum in Seelze waren voll, und zwar richtig voll. Allein quantitativ ist das mit 65 Musikerinnen und Musikern vorzüglich besetzte Modern Sound[s] Orchestra (MSO) aus Seelze eine Klasse für sich, sogar Röhrenglocken, Keyboard, Akkordeon, Marimbaphon, E-Kontrabass bis hin zur Kontrabassklarinette sind dabei – alles Instrumente, die in Blasorchestern sonst kaum zu sehen (und zu hören) sind. Ob die musikalische Qualität da mithalten kann, galt es bei den drei Neujahrskonzerten noch zu beweisen. Noch voller war es in den Zuschauerräumen: In den bis auf wenige Restplätze nahezu ausverkauften Sälen in Bad Nenndorf und Hannover und im komplett ausverkauften Neuen Forum in Seelze freuten sich knapp 1.000 Zuhörer auf einen unterhaltsamen Abend. Eine Tanzfläche gab es erwartungsgemäß nicht – die auf dem Plakat angekündigten „Symphonic Dances“ wurden von dem Orchester mit seinem Dirigenten Henning Klingemann (fast) ausschließlich akustisch präsentiert.

 Los ging es mit fanfarenartig majestätischen Klängen in der „Concert Prelude“ von Philip Sparke. Danach begrüßte Dirigent Klingemann, der im Folgenden gewohnt charmant, informativ und mit dem einen oder anderen Augenzwinkern durch das Programm führte, die Zuhörer. Ein weiteres gutes Beispiel originaler, zeitgenössischer Bläserliteratur bot der Höchststufenklassiker „Armenische Tänze“ von Alfred Reed. Das 1972 entstandene Werk verarbeitet fünf traditionelle armenische Volkslieder: theatralische Töne zum Auftakt, eine fröhliche, simple Melodie, beschwingte, rhythmische Tanz-Sequenzen, gefühlvolle Passagen und ein „Finale furioso“, das an einen rasanten Säbeltanz erinnert, der später noch im Original zu hören war. Nur wenige ‚Nichtprofis‘ wagen sich an ein solches Werk, doch die Seelzer Musiker demonstrierten eindrucksvoll, dass sie zu Recht in der Liga der besten sinfonischen Amateurblasorchester Deutschlands spielen. Es folgte mit dem „Slawischen Tanz Nr. 1“ eines der bekanntesten Werke von Antonín Dvorák, der den Musikern einschließlich ihres Dirigenten durch seine Stilisierung des schnellen tschechischen Furiants mit typischen Wechseln vom Zweier- zum Dreierrhythmus erneut einiges abverlangte. Nach einem Ausflug nach Venezuela („Joropo“) hatte das Trompeten-Register seinen Auftritt. Bei einem der beliebtesten Paso-Doble-Stücke, dem feurigen „España Cañi", brachten Natalie Hönemann, Andrea Hoppe, Frederik Kiene, Ingo Kitzmann, Leonard Sasse und Manfred Klüppel spanisches Temperament auf die Konzertbühne. Eine kräftige Einleitung im Schlagzeug, brillante Fanfarenmotive, die in eine Tarantella überleiten sowie ein durch alle Register instrumentiertes und durch verschiedene Takt- und Harmoniewechsel variiertes Thema kennzeichnen die „Funiculi-Funicula Rhapsody“, mit der sich das MSO in die wohlverdiente Pause verabschiedete.

 Mit der brasilianischen Hochgeschwindigkeitssamba „Tico-Tico“ startete das ambitionierte Orchester in den zweiten Konzertteil, gefolgt von einem abwechslungsreichen Hörgenuss für das Publikum. Die „Mexican Pictures“, eine viersätzige Suite der Höchststufe von Franco Cesarini, die eine breite Palette an musikalischen Stilen und Genres mit häufig wechselnden Rhythmen beinhaltet, wurde von den Musikern, geführt durch ein präzises Dirigat, leidenschaftlich und voller Spielfreude vorgetragen. Nach einem Walzer („Jazz Waltz Nr. 1“) gab es einen Ohrwurm, der im Jahr 1996 viele Wochen auf Platz 1 der Hitparaden stand und in dem zwei spanische Flamenco-Sänger die Hörer zum „Macarena“- Tanz animierten. Animateur war an diesem Abend Dirigent Klingemann, der das Publikum dazu brachte, die vorgestellten Tanzbewegungen mit vollem Körpereinsatz mitzumachen, was die Stimmung im Saal weiter befeuerte. Spektakulär wurde das hochklassige Konzert mit musikalischen Höhepunkten aus der irischen Tanzshow „Riverdance“ beendet, die aus traditionellem Stepptanz und keltischer Musik besteht. Großer Beifall war der Lohn für die herausragende Leistung der Musiker, so dass es sich das MSO nicht nehmen ließ, zwei Zugaben zu kredenzen, zunächst der bereits erwähnte „Sabre Dance“ aus dem Ballett Gayaneh von Aram Khachaturian, in dem es noch einmal feurig und gefährlich schnell zur Sache ging. Beim folgenden „Zorba‘s Dance“ schunkelte und klatschte sich das Publikum begeistert in einen stürmischen Schlussapplaus. Und damit manifestierte sich auch der Eindruck, der bei den Zuhörern in den über zweistündigen Konzerten bereits entstand: Das Modern Sound[s] Orchestra aus Seelze ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ eine Klasse für sich.

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(tj/fm)